Entsorgung radioaktiver Abfälle: Ein Stück Schweizer Geschichte mit Unterhaltungswert

Dass das Konzept der Entsorgung radioaktiver Abfälle im geologischen Tiefenlager ein dynamisches ist, welches sich über die Jahre hinweg immer wieder den neusten Erkenntnissen aus Forschung sowie gesellschaftlicher Entwicklungen entsprechend angepasst hat, erleben wir unter anderem im Gespräch mit Dr. Anne Eckhardt. An der 14. Vollversammlung der Regionalkonferenz Nördlich Lägern steht zwar alles im Zeichen der Rückholbarkeit doch bei den Ausführungen Frau Dr. Eckhardts wird beiläufig auch etwas anderes ganz klar: Auf dem Weg hin zum geologischen Tiefenlager blieb kein Input undiskutiert.

Entsorgung radioaktiver Abfälle: Ein Stück Schweizer Geschichte mit Unterhaltungswert

Von Strahlenkatzen bis hin zur Atompriesterschaft – auch mystischere Ideen sollen ihren Platz haben

Frau Dr. Eckhardt hat als ehemaliges Mitglied der Expertengruppe Entsorgungskonzepte für radioaktive Abfälle (EKRA) schon einige Diskussionen auf dem Weg hin zu einem sicheren, sinnvollen und nachhaltigen Entsorgungskonzept erlebt. Im 96-seitigen Schlussbericht der EKRA findet sich entsprechend auch durchaus Unerwartetes aus heutiger Sicht. Darin gibt es nämlich eine Passage, die auf eine historisch sehr interessante Zeit Bezug nimmt und von der Frau Eckhardt wie folgt berichtet:

«In den 1980er und 1990er Jahren hat die Vorstellung, Abfälle über hunderttausend Jahre oder mehr, also über eine Zeit, die unser Vorstellungsvermögen übersteigt, zu entsorgen, viele fantasievolle Überlegungen hervorgebracht. Unter anderem wurde damals die Idee entwickelt, mit «Strahlenkatzen» dauerhaft vor Endlagern für radioaktive Abfälle zu warnen. Die Katzen sollten gentechnisch so verändert werden, dass sie ihre Farbe wechseln, wenn Radioaktivität aus dem Lager an die Oberfläche gelangt.

Auch die Idee einer Atompriesterschaft wurde zu diesem Zeitpunkt diskutiert. Es gab die Vorstellung, die Abfälle langfristig an der Oberfläche, zum Beispiel in «Mausoleen», zu lagern und durch eine Hüterschaft betreuen zu lassen, eine Art Mönchsorden, der langfristig über die Sicherheit wacht.

Später befasste sich die Kommission für die Sicherheit von Kernanlagen, deren Mitglied ich war, einmal näher mit diesem Thema und tauschte sich mit einem Technikhistoriker aus. Wir fanden keine Anhaltspunkte dafür, dass ein solches Hüte-Modell funktionieren könnte. Für eine Schweizer Atompriesterschaft, die noch nach 500 Jahren zuverlässig ihre Aufgaben erfüllt, kann niemand eine funktionierende Anleitung liefern.»

Liebe Leserschaft, erlauben Sie uns ein pointiertes Fazit zu diesen Ausführungen:

Wie eingangs bereits beschrieben und einigen vereinzelten Stimmen zum Trotz: Undiskutiert oder gar ignoriert zum Thema «sicheres Entsorgen von radioaktiven Abfällen» blieb offensichtlich tatsächlich nichts. Wie die Vollversammlung der Regionalkonferenz zeigt, bleibt das auch weiterhin so.

Das ganze Interview der 14. Vollversammlung der Regionalkonferenz Nördlich Lägern mit Frau Dr. Eckhardt, rund um das Thema Rückholbarkeit finden Sie HIER.

 

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